Nachhilfe: Wann sie Kindern wirklich hilft
Immer mehr Schülerinnen und Schüler bekommen zusätzliche Hilfe. Doch Experten warnen: Nachhilfe ist nicht in jedem Fall nötig.
In vielen deutschen Städten boomt der Markt für Nachhilfe. Laut einer Studie des Bildungsministeriums haben rund 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler schon einmal bezahlte Unterstützung bekommen. Besonders beliebt ist Hilfe in Mathematik und in Fremdsprachen. Eltern hoffen, dass ihre Kinder so bessere Noten bekommen und später bessere Chancen auf dem Ausbildungsmarkt haben.
Die 14-jährige Schülerin Laura König aus Köln besucht seit einem halben Jahr einmal pro Woche einen Mathekurs. „Früher hatte ich oft Angst vor Klassenarbeiten“, erzählt sie. Seit der Nachhilfe hat sie sich von einer Fünf auf eine Drei verbessert. Ihre Mutter findet das Geld gut investiert. Eine Stunde kostet 20 Euro. „Wir sparen dafür an anderen Stellen, denn Lauras Schulabschluss ist uns sehr wichtig“, sagt sie. Die Familie nutzt ein kleines privates Institut in der Nähe der Schule, damit der Weg kurz bleibt.
Ganz anders sieht es bei Jonas Weber (12) aus. Er hatte in der fünften Klasse Probleme in Englisch. Die Eltern wollten sofort einen Nachhilfevertrag für ein ganzes Jahr unterschreiben. Die Lehrerin riet jedoch erst zu regelmäßigen Hausaufgaben und Lesen englischer Comics. Nach drei Monaten war Jonas wieder sicher im Unterricht, ganz ohne extra Kurse. „Nicht jedes Kind braucht sofort Nachhilfe, manchmal reicht mehr Übung zu Hause“, erklärt die Lehrerin.
Die Bildungsforscherin Dr. Miriam Schuster betont, dass Nachhilfe vor allem dann sinnvoll ist, wenn ein Kind länger als ein halbes Jahr deutliche Schwierigkeiten in einem Fach hat. Dann kann eine neutrale Person den Lernstoff in Ruhe erklären. Wichtig sei aber, dass Nachhilfe nicht zu viel Druck macht. „Wenn ein Kind jede Woche drei verschiedene Kurse hat, bleibt keine Zeit mehr für Sport oder Freunde“, warnt Schuster. Das könne sogar zu Stress und Schlafproblemen führen.
Experten empfehlen deshalb, zuerst mit den Lehrkräften zu sprechen und gemeinsam einen Plan zu machen. Manchmal helfen schon kleine Veränderungen, zum Beispiel ein ruhiger Arbeitsplatz oder feste Lernzeiten. Nachhilfe sollte immer ein zeitlich begrenztes Angebot bleiben und kein Dauerzustand. Dann kann sie die Schule sinnvoll ergänzen und Kindern wieder mehr Sicherheit geben – aber sie ersetzt den normalen Unterricht nicht.